Was gibt's Neues beim ehv?

15.01.2015:    Revitalisierung des Museumsvereins, Neuwahl des Vorstandes, Details unter Team
20.05.2015:    5. Aussschusssitzung
19.08.2015:    Alt-Obmann Paul Richter wird zum Ehrenvorstand ernannt - Urkunde
19.08.2015:    Alt-Schriftführer Gerd Leitner wird zum Ehrenmitglied ernannt - Urkunde
                       Terminfestlegung für die Jahreshauptversammlung => 18. Nov. 2015
21.10.2015:    10. Ausschusssitzung
18.11.2015:    Jahreshauptversammlung 2015
13.04.2016:    15. Ausschusssitzung
07.09.2016:    20. Ausschusssitzung
16.09.2016:     Spatenstich zum Projekt "Kende Areal" - siehe auch Artikel dazu
15.02.2017:    25. Ausschusssitzung
09.03.2017:    neue Unterseite mit Details zum Bau für unsere neue Heimat
15.03.2017:    Terminfestlegung für die Jahreshauptversammlung => 5. April 2017
05.04.2017:    Jahreshauptversammlung, Dr. Gräser wird als Obmann abberufen,
                         Neuwahl des Obmannes & Stv & Rechnungsprüfer
17.07.2017    30. Ausschusssitzung
18.12.2017    Sitzung mit Gemeindevorstand und Bgm. Martin Hohenegg betreffend neuer Räumlichkeiten
19.02.2018:    35. Asschusssitzung
26.02.2018:    vorläufiger Abschluss der Inventarisierung => 714 Exponate (vorläufig)
05.03.2018:    Jahreshauptversammlung für 2017
24.05.2018:    Übergabe Kende-Areal - Rede des Obmannes => siehe auch Artikel unter Downloads
29.10.2018:    40. Ausschusssitzung
12.11.2018:    Begehung Räumlichkeiten Spinnhof mit Amtsleiter - noch nicht fertig
22.11.2018:    Brief vom Gbm. Hohenegg - Aufkündigung der Unterstützung
11.12.2018:    Gemeinderatssitzung, Verlesung unseres Schreibens


"Mein Lieblingsexponat"


An dieser Stelle, wollen wir jene Exponate aus unserem Bestand vorstellen, für welche sich einzelne Mitglieder besonders begeistern. Damit diese Seite im Laufe der Zeit nicht überladen wird, sind immer nur die letzten zwei Exponate  zu sehen. Die Zusammenstellung aller Lieblingsexponate samt den zugehörigen Texten und Bilder finden Sie im Reiter [Downloads].

Der Friseur und seine Werkzeuge


Text und Fotos von Robert Klar

 
Da ich aus dem Friseurberuf komme und schon mein Vater einen Salon betrieb, hat mich dieser Beruf von jeher sehr interessiert. Der Beruf lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Die Bader besorgten das Baden, formten den Bart und die Haare, machten einen Aderlass , versorgten Wunden und vieles mehr. Schon im 15. Jahrhundert bildeten die Barbiere und Chirurgen eine eigene Zunft. Schon damals musste man 3 Jahre Lehrzeit und 3 Jahre Wanderschaft bei anderen Meistern machen. Wir planen für unser Museum Berufe, welche auch in unserem Dorf ausgeübt wurden, den Besuchern näher zu bringen. Es ist interessant zu sehen wie sich die verschieden Handwerke entwickelt haben. Auch unser Beruf hat viele Phasen durchgemacht und so zeigen wir hier einige Stücke. Bilder 1 und 2 zeigen Brennscheren welche auf diesem Gestell heiß gemacht wurden. Angezündet wurde mit Spiritus. Man nahm die Brennschere in die Nähe des Mundes um zu spüren ob die Tem­peratur passt. War man zu heiß, verbrannte das Haar, zu kühl konnte man nicht formen. Noch bei der Meisterprüfung vor 47 Jahren wurde noch onduliert und eine Perücke geknüpft.  
 


Bilder 3, 4, und 5 zeigen verschiedene Typen von Brennscheren.


Bild 6 zeigt eine Brennschere zum Glätten - sie wurde auch bei Bärten zum Formen verwendet. Im Bild 7 sind Haarschneidemaschinen zu sehen: drei welche von Hand bedient wurden und eines der ersten Elektrischen Modelle. Bild 8 zeigt einen elektrischen Kamm zum Formen und einen Haarföhn.


Rasiermesser, wie sie in Bild 9 zu sehen sind, werden noch immer verwendet. Auch heute wird bei der Meisterprüfung eine Rasur und Bartpflege verlangt. Bart zu tragen ist wieder voll im Trend. Auf dem Leder wird das Messer abgezogen und geschliffen. Es gibt hole, halbhole und volle Messer. Das Bild 10 zeigt noch ein paar Requisiten zum Eindrehen der Haare und die Klammern zum Formen von Wellen. Im letzten Bild (11) sind zwei Spangen von unserer "Seebensee Wirtin" zu sehen.

Eine optisch ansprechendere Version ist in unserem PDF-Dokument enthalten.
 


Wir würden uns freuen, wenn wir das Interesse wecken konnten und ein bisschen Hilfe und Input in dieser Richtung von Euch bekommen. Auch freuen wir uns, Euch bald in unseren neuen Räumlichkeiten begrüßen zu dürfen.

Landkarte auf Seide

(aus dem US-Bomber Liberator 42-95284)

von Gudrun Kerber
Foto von Robert Klar & Internet


Das Tuch mit der Straßenkarte von Nord- und Süditalien wurde, an einer Latsche hängend, unweit der Ab­sturz­stelle „Beim Wasser“ von meiner Mutter Josefa Kerber gefunden. Meine Mutter stammte ausNassereith und suchte, wie mehrere Einheimische an den verschiedenen Absturzstellen der Flugzeuge, nach Fallschirm­seide.
Anlässlich einer Unterhaltung mit Professor Dr. Siegfried Niedermeier kam man auf dieses Taschentuch zu sprechen und Prof. Niedermeier bat sie, diese Silk-Map dem Heimatmuseum zu stiften. In dieser Zeit erfolg­ten auch die Nachforschungen durch Paul Richter und Gerd Leitner über die Geschichte des Luftkampfes und die Vorbereitungen zur Errichtung eines Gedenksteines in Ehrwald.
 

Die 465th Bomb Group der 15th USAAF startete um 06:44 vom Flugfeld Pantanella in Süditalien/ Apulien mit dem Angriffsziel Dornier-Flugzeugwerke in Manzell/Friedrichshafen am Bodensee. Nach dem Bombenabwurf sollte der Verband eine Kehrtwendung einleiten und über das Außerfern nach Italien zurückfliegen. Eine Gruppe wurde von der Hauptgruppe abgespalten und blieb ohne Jäger-Begleitschutz zurück, was von der deutschen Aufklärung bemerkt wurde. Das alarmierte deutsche IV Sturm Jagdgeschwader 3 Udet vom Fliegerhorst Kauf­beuren flog den An­griff auf den zurückgebliebenen Verband und es fand ein Luftkampf im Gebiet zwischen Fernpaß und Zugspitze statt, in dem acht amerikanische Maschinen und acht deut­sche Jagdflugzeuge abgeschossen wurden. Der Bomber Liberator 42-95284 stürzte brennend west­lich der Nassereither Alm beim sogenannten „Wasser“ ab. Dieser Bomber gehörte zur 465th Bomb Group – 782nd Bomb Squadron. Pilot war 1st Lt. Howard F. Fiecoat.

 
Sieben Besatzungsmitglieder, darunter Pilot und Co-Pilot, sind gefallen (KIA = killed in action):

 
Drei Besatzungsmitglieder wurden gefangen genommen (POW = prisoner of war):
  • Clovis A. Kennedy
  • Francis E. Dyer
  • Francis O.Lee
Die US-Luftwaffe ließ die 30 toten US-Amerikaner nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges exhumieren und in US-amerikanische Militärfriedhöfe umbetten.
Das Bild zeigt den Grabstein im Jefferson Barracks National Cemetery St. Louis, Missouri, USA.


Weitere Details, insbesondere zu den Besatzungsmitgliedern, sind in der PDF-Version enthalten.

 

Quellen: Büchlein“3.August 1944“ des Heimatmuseumsverein Ehrwald; Heimatbuch Nassereith; Google Earth;
Internetseiten: www.findagrave.com; www.search.ancestry.ca; www.wwii-pows.mooseroots.com; www.valor.militarytimes.com; www.honorstates.org
Copyrights der Fotos (insb. Luftbild, 465'er Logo, Grabstein und Google Earth) liegen bei den jeweiligen Rechteinhabern

Vom Peach un dr Peacherei

von Peter L. Steger, basierend auf Texten von Erwin Bader und Robert Leitner
Foto von Robert Klar


Die „Fass­macher im Ehr­wald“ fer­tig­­ten fast 300 Jah­­re lang (Kaiser Maximilian I. bis Napoleon) jährlich bis zu 400.000 Stück maßge­rechte Dauben für die Haller Salzfässer. Durch die Neu­­or­d­nung Europas nach den Napo­leo­ni­schen Krie­gen (1792 - 1815) und den Ausbau der Eisen­bahn durch den Arlberg(1870) ver­lo­ren die Ehr­walder diese Ein­nahme­­quel­le. Von Handelsleuten aus Triest erfuhr man, dass dort große Mengen Pech für den Schiffsbau benötigt wurden und erkannte darin einen neuen Erwerbs­­zwei­g für das Dorf.
Pech ist ein durch­scheinendes, hell- bis dunkelbraunes, aromatisch riechendes klebriges Sekret von Nadelbäumen (Kiefern, Fichten, Lärchen) und Birken, das nicht in Wasser löslich ist. Bei einer bis ins Holz gehenden Verletzung des Baumstammes tritt es als Balsam an die Ober­flä­che, erstarrt an der Luft und schließt so die Wunde.
Gesammelt und in Pechhütten durch Pechsieden aufbereitet konnt en verschiedene Fraktionen für spezielle Anwendungsgebiete gewonnen werden:
  • feines Pech verwendeten die Schuhmacher zum Versteifen und Wasserfest­machen der Hanffäden (Schusterpech)
  • grobes Pech verwendeten die Schreiner zum Kitten und Leimen, die Büttner zum Auspichen von Fässern und Kübeln (Pichpech) und die Schiffsbauer zum Dichten der Schiffsrümpfe (Schiffspech)
  • grober Rückstand (Pechkuchen) wurde zur Herstellung von Ruß verwandt.
Außerdem war Pech Bestandteil von Fackeln und Brandpfeilen sowie von Arznei­mitteln in Form von Pflastern, Umschlägen oder Einreibungen gegen Rheuma, Gicht und andere Krämpfe, Wurmbefall, Wehenschwäche, Lungen­erkran­kungen und Auszehrung, zur Behandlung von Frauenleiden und Hautwunden und nicht zuletzt für die Behandlung von Klauen- und Hufentzündungen der Tiere. Auch als Weih­rauchersatz konnte Pech verwendet werden. Zur Zahn­pflege kaute man auf Stücken von Fichtenpech („Kuipeach“), lange Zeit ein beliebter Vorläufer unseres Kaugummis.
Bekannt sind in Ehrwald zwei alte Pechhütten: eine in „dr Puita“ beim heutigen Sportplatz und eine weitere „im Tal an dr Goasi“ heutiges Café Lärchenwald, welche der Familie Schennach (vulgo Wöberler) g ehörte. Durch das Erhitzen in großen Kupferkesseln wurden die flüchtigen Bestandteile (ätherischen Öle und Wasser) ausgetrieben und durch Destillation gewonnen. In dem dünnflüssig gewordenen Pech sanken Verunreinigungen (Rinde, Staub, Steine, etc.) auf den Boden des Kessels und durch ein Loch in einen darunter angebrachten Auffangbehälter ab. Zurück blieb das gewünschte Harz welches durch weitere Reini­gungs­schritte veredelt werden konnte.

Vorher musste der Rohstoff für dieses be­gehrte Produkt jedoch erst in mühsamer Hand­arbeit gesammelt werden. Da die na­tür­lichen Pech­aus­scheidungen der Bäume bei weitem nicht ausreichten, wurde diese durch gezielte Verletzungen zur Pech­pro­duk­tion ange­regt. Bekannt sind hierbei das Schneiden eines „Lurgga“ (Auf-/Abschnei­den der Rinde zur Ausbildung eines freien Fleckes) und das oder Anbohren der Stämme). Im Laufe der Zeit entwickelten sich vom einfachen Ab­hacken (mit dem „Peachhäckli und dem „Peach­rampf“ einem einfachen Leinensack, der über einen Holzreifen gespannt zwischen dem Baum und dem eige­nen Körper gehalten wurde) weitere unterschiedliche Techniken wie das „steirische Verfahren“ (Anbohren und Anbringen einer Tropfrinne über welche das Pech in ein Auffanggefäß abrinnen konnte) und das „Tiroler Verfahren“ (Anbohren und Verschließen des Kanals mit einem Stopfen sowie periodischer Entnahme des sich im Bohrkanal gesammelten Pechs).

Aus Aufzeichnungen der „Wöberler“ wissen wir, dass die Ehrwalder Harzproduktion so groß war, dass zur Rohstoffgewinnung Pachtungen von über 86 Waldflächen bis nach Kärnten notwendig waren.
Mit der Umstellung im Schiffsbau von Holz auf Eisen (Mitte des 19. Jahrhunderts) und Stahl (Ende des 19. Jahrhunderts) versiegte schließlich auch diese Erwerbsquelle wieder zusehends. Doch die Ehrwalder waren schon immer erfinderisch und ließen sich nicht unterkriegen – aber das ist eine andere Geschichte.

Schmuckkämme aus Ehrwald

von Rosmarie Schöpf
Fotos: Robert Klar


Durch den Bau der Eisenbahn über den Arlberg musste die Fassdaubenerzeugung in Ehrwald eingestellt werden, da kein Bedarf mehr gegeben war. Die Ehrwalder suchten nach anderen Einkommensquellen, eine davon war die der Hornbearbeitung. Aus den Spitzen der Hörner wurden Pfeifenspitzen gedreht und aus dem hohlen Teil des Rinderhorns sehr schöne Schuckkämme geschnitten und gesägt. Diese Arbeit wurde im Winter durchgeführt. Im Haus am Martinplatz Nr. 39 war sogar das Gewerbe angemeldet.
Aus Erzählungen von Frau Schnitzer Zita ist bekannt, dass die Hornbearbeitung in der Stube stattfand, die daher rauchgeschwärzt war. Die Geruchsbelästigung nahm man wahrscheinlich in Kauf, da die entstandene Wärme angenehm war.
Horn, als natürliches Material, hat unübertrefflich gute Eigenschaften, die uns besonders bei der Haarpflege in Form von Hornkämmen zu Gute kommt. Ähnlich wie Holz kann Horn geraspelt, gesägt, gebohrt, geschnitzt, gespalten oder geschliffen werden. Bleichen ist ebenfalls möglich. Durch mehrtägiges Einlegen in Wasser kann Horn formbar gemacht werden. Noch stärker formbar wird es jedoch durch 20-minütiges Kochen. Es kann dann heiß in fast jede beliebige Form gebogen werden (dünne Streifen kann man sogar verknoten), nach dem Abkühlen und Trocknen bleibt die neue Form erhalten. Auch durch trockene Hitze über der Flamme kann man Horn etwas formen. Einige Werkzeuge zur Hornbearbeitung sind bei uns im Museum noch vorhanden und können nach der Neueröffnung ausgestellt werden.
Frau Köck Elisabeth, ebenfalls wohnhaft am Martinsplatz, hat dem Heimatmuseum diese wunderschön gearbeiteten Kämme (Foto) geschenkt. Diese Exponate verraten großes handwerkliches Können und kunstvolle Gestaltung.